Aktuelles

04.12.2018

„Bücher und Bomben“

Längst gilt das „Graphische Viertel“ als historisch geprägter, legendärer Stadtteil Leipzigs. Die Deutsche Nationalbibliothek erinnert an die Zerstörung des Viertels vor 75 Jahren

Am 4. Dezember 2018 jährt sich die Zerstörung des „Graphischen Viertels“ in Leipzig zum 75. Mal. Damals wurde das Zentrum des deutschen Buchgewerbes in knapp zwei Stunden (Fliegeralarm: 3:39 Uhr; Entwarnung: 5:32 Uhr) von Spreng- und Brandbomben in Schutt und Asche gelegt. Mehr als 1800 Menschen starben, 114 000 Einwohner wurden obdachlos, 15.000 Gebäude getroffen. Die größten Verlagshäuser – unter ihnen der F. A. Brockhaus Verlag, der Verlag Philipp Reclam jun. und Breitkopf & Härtel, der älteste Musikverlag der Welt – und mit ihnen geschätzt 50 Millionen Bücher brannten aus. Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum, ältestes Buchmuseum der Welt, war eine Ruine, der Sitz des Börsenvereins der deutschen Buchhändler zerstört, die Deutsche Bücherei schwer getroffen: Leipzig büßte mit dem Bombenangriff der Alliierten seinen jahrhundertealten Ruf als „Buchstadt“, den bereits der Erste Weltkrieg gründlich erschüttert hatte, endgültig ein.

Anlässlich des 75. Jahrestages der Bombardierung des „Graphischen Viertels“ erinnert das Deutsche Buch- und Schriftmuseum mit zwei Projekten an die Zerstörung: Einerseits stellt es eines der wenigen Objekte, die Anfang Dezember 1943 mit Schmauchspuren aus der Asche des Buchhändlerhauses geborgen werden konnten, ins Zentrum einer Installation: Hierbei handelt es sich um einen mehrere hundert Kilogramm schweren Granitstein mit etwa 3000 Jahre alten chinesischen Schriftzeichen. Diese „Steintrommel“, deren Absplitterungen und Brandspuren noch heute von der Zerstörung zeugen, steht Anfang Dezember 2018 im Fokus der „GNDCon“ in Frankfurt a.M. – einem Kongress, der auf offene, kooperativ erarbeitete und vernetzte Normdaten als Orientierungspunkte im Internet zielt und die Zusammenarbeit mit Online-Communities, Museen, Archiven, Verlagen und Hochschulen fördern möchte – ein Stück Zukunft für die kooperative Erschließung auch des Museums-Kulturerbes.

Ferner beschäftigt sich ein zweites Projekt mit einem Rückblick auf Leipzig als der „Hauptstadt des Buches“ am Anfang des 20. Jahrhunderts. Insgesamt wurden dafür 2200 Firmenstandorte im „Graphischen Viertel“ aus dem Leipziger Adressbuch von 1913 in eine Datenbank übertragen. In Kooperation mit dem Amt für Geoinformation und Bodenordnung, Abteilung Digitale Kartographie der Stadt Leipzig sind diese Daten für die Darstellung auf einer Digitalkarte aufbereitet worden. Zum Jahrestag der Zerstörung des Viertels wird die Karte auf www.leipzig.de freigeschaltet und Anfang Dezember 2018 auf dem 2. „Digital Humanities Day“ des Forums für Digital Humanities Leipzig und der Akademie der Wissenschaften zu Leipzig vorgestellt. - Noch heute sind im ehemaligen Leipziger Buchhändler-Viertel Spuren des Krieges sichtbar: Große Brachflächen und verfallene Häuserruinen erinnern an die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. Vor allem aber sind viele neue Bauprojekte, teils unter Einbeziehung historischer Gebäudereste, wie beim Wiederaufbau des ehemaligen Buchgewerbehauses, zu sehen.

www.dnb.de, www.leipzig.de

Diese Website verwendet Cookies zur Verbesserung und Analyse der angebotenen Dienstleistungen. Weitere Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung. Ich stimme der Verwendung von Cookies zu: