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05.11.2018

„Muss alles Premium sein?“

Mobile elektronische Medien wie Smartphones oder Tablet Computer machen heute der Druckindustrie das (Über-) Leben schwer.

Angesichts zunehmender Digitalisierung und Internetdominanz kommen Studien zugunsten von Printprodukten zum geeigneten Zeitpunkt. Viele Unternehmen stehen zudem vor der strategischen Frage, wie sich die Wirkung ihrer Marketingbudgets noch steigern lässt. Passende Antworten finden sich mit dem Argument, Printprodukte mit Premiumpapieren und Druckveredelung attraktiver zu machen.

Dieses Argument geht auf eine Studie zurück, mit der der Verband Druck + Medien Bayern und der Druckveredler Seismografics das Forschungsinstitut „The Neuromarketing Labs“ jüngst beauftragt hatten. Prof. Kai-Markus Müller zu den Ergebnissen von „Ef[fact]ive Print. Neurowissenschaftliche Studie zur Wirksamkeit von Druckveredelung und Feinpapier“: „Wir konnten anhand nachprüfbarer Messmethoden nachweisen, dass qualitativ hochwertige Printprodukte gegenüber Low-Cost-Produkten eine höhere Werbewirkung haben und einen Mehrwert im Marketing generieren.“ Solche Printprodukte würden beim Konsumenten zu höherer Aufmerksamkeit und längerer Betrachtungsdauer sowie als besondere Präsentation der Werbebotschaft zu erhöhter Kaufmotivation führen.

Während der Analyse wurde ein innovativer Ansatz aus der Hirnforschung gewählt: Durch Kombination von Blickverlaufsmessung und Elektroenzephalogramm konnten haptisches und Blickverhalten sowie Gehirnaktivitäten der Probanden registriert und gemessen werden. Analysiert wurde ein Kosmetikfirma-Mailing, einerseits mit „normalem Bilderdruckpapier“, andererseits mit „Naturpapier“ sowie jeweils mit Druckveredelungen wie Dispersionslack, Touch-Folienkaschierung, UV-Spotlackierung, Heißfolien- und Blindprägung produziert.

Natürlich sollte es jedermann wundern, wenn keine Unternehmen dahinter stünden, die ihre eigenen Interessen vertreten. Von konkret elf Zulieferern der Printmedia-Branche wurde die Studie unterstützt. Ungeachtet ihres jeweiligen Anteils am Support der Studie, wollen die Unternehmen ihre Artikel und Services verkaufen. Leider verbindet sich mit der Fokussierung auf den Materialien- und Technologieeinsatz die absolute Einseitigkeit der Studie. Muss denn alles „Premium“ sein? Inhaltsteile, Gestaltung und Typografie oder auch Formatwahl bei Druckerzeugnissen könnten ebenfalls positive Emotionen und deutliche Kaufanreize erzeugen. Warum werden nicht sämtliche Kriterien, die ganzheitlich für Printprodukte sprechen, mal in den Mittelpunkt einer Studie gestellt?

Frank Baier

www.vdmb.de

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