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09.05.2017

Bedenkliche Stimmung

Die Jahrestagung des Bundes Deutscher Buchbinder fand in Oberbayern statt. Der Verband wählte dafür einen geradezu traditionellen und innovativen Ort aus.

Immerhin wurde die BDBI-Jahrestagung in der Büttenpapierfabrik am Tegernsee organisiert. Gmund Papier steht für traditionelle Papierkultur seit 1829, ökologische Herstellung von Naturpapier und agiert offenbar erfolgreich in dieser Nische. Beworben wird eine eigene Systematik: Erstmalig hat das Unternehmen Papierfarben mit einem System von 48 „Gmund Colors“ strukturiert und in acht Farbreihen à sechs Farbtönen aufgeteilt. Ungefähr 75 Prozent der Produkte werden exportiert. Gmund Papier beschäftigt mehr als 100 Mitarbeiter, befindet sich im Familienbesitz und hat mit Geschäftsführer Florian Kohler (Foto) einen Vertreter der vierten Generation.

Demnach waren die Besichtigung des Unternehmens als auch die Jahrestagung selbst im wohl zukünftigen „Gmund Papier Café“ für die angereisten Unternehmer durchaus ebenso nachhaltige Erlebnisse. Ungefähr 60 Teilnehmer aus Deutschland und Österreich wurden bei der Veranstaltung des Verbandes begrüßt; diese hohe Resonanz lässt sich wohl mit dem traditionellen wie auch innovativen Ort der Papierherstellung begründen. Einen Schritt in das digitale Zeitalter geht der BDBI mit der erneuerten Homepage, die auf der Jahrestagung vorgestellt wurde. Mittelfristig ist der Einstieg in die sozialen Online-Netzwerke vorgesehen, um auch potenziellen Berufsnachwuchs für die Branche zu begeistern. Besonders die weiterhin deutlich rückläufige Anzahl der Auszubildenden im Buchbinder-Handwerk macht der Branche zu schaffen: 2016 wurden gerade mal 41 neue Ausbildungsverträge (2015: 55) vereinbart.

„Immer weniger ausgebildete Fachkräfte sind auf dem heutigen Arbeitsmarkt zu finden“, berichtete BDBI-Vorstandsmitglied Hans-Dieter Jung. Welche Auswirkungen drohen, wenn irgendwann niemand mehr im Handwerk die kreativen Ideen praktisch umsetzen kann?, fragt man sich nicht nur beim Verband. Wenn junge Leute nur noch ganz vereinzelt den Beruf erlernen, werden bald Konsequenzen für die Standorte der Berufsschulen fällig. Letztendlich erzeugte diese Tatsache eine leidenschaftliche, emotional geprägte Diskussion, sorgte aber gleichermaßen für eine „bedenkliche“ Stimmung unter den Teilnehmern. Weitere Qualifikationen stehen für hohe Solidität: Stetig engagiert sich der Verband, den „Qualifikationsrahmen“ für die Meisterabschlüsse auf hohem Niveau zu halten. „Bekanntlich ist der Meisterabschluss ein ‚Aushängeschild‘ für die Persönlichkeitsentwicklung“, wie BDBI-Vorstandsmitglied Holger Warnecke erklärte.

Demnach werde sich der BDBI auch zukünftig für das Buchbinder-Handwerk einsetzen. Während der Jahrestagung wurden der Verbandsvorstand und die Verbandsausschüsse gewählt für die Legislaturperiode der nächsten vier Jahre gewählt. Obgleich es aktuell keine personellen Änderungen gibt, legt der Vorstand selbst großen Wert auf neue Akteure: Aussagen des BDBI-Vorstandsvorsitzenden Maik Beckmann zufolge, sollen nach erneuter Amtszeit „neue Leute“ in den Vorstand kommen. Dasselbe gelte beispielsweise für den Sachverständigen-Ausschuss: Oftmals sind Rechtsstreitigkeiten mit hohen Summen verbunden; fachlicher Rechtsbeistand könnte mitunter Abhilfe schaffen. Deshalb würden zukünftig auch neue Sachverständige gesucht. Schließlich möchte der Verband auch weiterhin Unterstützung bei fachspezifischen Themen, und gleichermaßen bei betriebswirtschaftlichen und juristischen Herausforderungen offerieren.

Gegenwärtig zählt der (Unternehmer-) Verband rund 90 Einzel- und Fördermitglieder; unter den Fördermitgliedern (vorrangig Zulieferer) befindet sich auch „bindereport“. Anlässlich der Jahrestagung wurde auch der Ort der nächsten Veranstaltung festgelegt: Demzufolge wird der BDBI seine Jahrestagung 2018 am „verlängerten“ Himmelsfahrts-Wochenende in der traditionellen sächsischen Buchstadt Leipzig ausrichten.

www.bdbi.de