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20.12.2016

Bezaubernde Adventssterne

Leuchtende Weihnachtssterne bringen festliche Stimmung in Stuben, auf Marktplätze und in Kirchen. Spannende Erkundungen in Sachsens (Weihnachts-) Werkstätten.

Bekanntlich gehört die Fertigung von traditionellen Adventssternen zum ursprünglichen Handwerk des Buchbinders. Allein im Erzgebirge, das für solche festlichen Dekorations- und Volkskunstartikel wie Räuchermännchen, Schwibbögen und Weihnachtspyramiden bekannt ist, existieren mindestens drei Anbieter, die sich dieser Handwerkskunst verschrieben haben. „Rechtzeitig“ zum Advent seien Manufakturen aus Annaberg, Hartenstein und Herrnhut hier einmal präsentiert.

Die traditionellen Adventssterne kamen in Sachsen gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts auf. Nostalgisch klingende Erzählungen sind – wie so oft bei den klassischen Weihnachtsartikeln der Fall – mit der langen Geschichte verbunden. Deshalb ähnelt manche Firmenchronik bei der Berichterstattung von Erfindertugenden und Familientradition einer Legende. Vor allem warten die Werkstätten heute mit Adventssternen in unterschiedlichen Größen und Farben auf.

Abhängig von der jeweiligen Ausführung, sind die verwendeten Materialien heute noch Karton und Pappe, Pressspan, Metall, Folien und Kunststoff. Wenngleich auch Größen und Farben, Design und Motive manche Unterschiede aufweisen – bereits seit eh und je ist die Fertigung von Adventssternen fast ausschließlich Handarbeit. Typische Arbeitsschritte dieses Handwerks sind das Schneiden, Stanzen und Ausbrechen, Formen, Zusammenfügen und Pressen, Aufziehen und Verkleben.

Leuchtende Kunstwerke aus Hartenstein
Eine Manufaktur für so genannte Hartensteiner Weihnachtssterne hat zwischen Zwickau und Stollberg im Erzgebirge ihren Sitz. Ursprünglich war die Werkstatt für Buchreparaturen und Schuhkarton-Fertigung bekannt: die 1908 von Oswald Härtel gegründete Buchbinderei Härtel in Hartenstein. Alleine ein Foto des Firmengründers von einem Weihnachtsstern soll den „Grundstein“ für die spätere traditionelle Fertigung gelegt haben. Der meistens von Buchbinder-Handwerksmeistern geführte Familienbetrieb stellt schon seit dem Jahr 1960 ausschließlich die beliebten Saisonartikel her. Auffallend sind wohl die dezent und festlich wirkenden Kombinationen von Farbtönen; sie werden von Silber-Orange bis Gold-Blau, von Kupfer-Weiß bis Silber-Lila angeboten. Inzwischen arbeitet der Handwerksbetrieb mit Verkaufsfiliale in der vierten Buchbinder-Generation: Buchbinderin Beate Heyn (geb. Härtel) führt heute die Geschäfte der am Hartensteiner Markt ansässigen Manufaktur fort.

Erzgebirgische Fenstersterne
Spezialisiert auf Adventssterne ist auch die Buchbinderei Kraft aus Annaberg im Erzgebirge; das im Jahr 1867 gegründete Unternehmen besteht seit mittlerweile fünf Generationen. Vorwiegend werden traditionelle (Weihnachts-) Farben nachgefragt. „Annaberger Faltsterne“ und „Erzgebirgische Fenstersterne“ gibt es in Weiß, Rot und Gelb sowie in Kombinationen; einzige Ausnahme ist Orange. Besonderheit der Werkstatt sind Weihnachtslaternen mit „Christi Geburt“-, „Engel und Bergmann“- sowie „Wichtelland“-Bildmotiven. Adventszeit ist ein Saisongeschäft; deshalb macht sich der Mitgliedsbetrieb in Sachsens Buchbinder-Landesinnung mit dem breitgefächerten Sortimentsgeschäft unabhängig.

Legendäre Saisonartikel aus Herrnhut
Bereits seit über 160 Jahren kommen die Dekorationsartikel ebenso aus Herrnhut in der Oberlausitz. Damals entstanden in den Internatsstuben der evangelischen Brüdergemeine, in denen die Kinder der Missionarsfamilien lebten, einfache beleuchtete Adventssterne aus Papier und Pappe. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erfand Pieter Hendrik Verbeek den ersten zusammensetzbaren Adventsstern mit 25 Zacken. Derweil führt die Herrnhuter Sterne GmbH mit der Brüder-Unität als Gesellschafter das traditionelle Handwerk seit 1991 weiter. Zudem finden sich heute die Verwaltung und Fertigung sowie das Besucherzentrum (mit Ausstellung, Verkauf, Schauwerkstatt und Café) unter einem Dach wieder. Jährlich verlassen mehr als 250 000 Adventssterne in diversen Durchmessern und Ausstattungen die Manufaktur im östlichen Sachsen.

„Prachtstücke“ zur Adventszeit sind Weihnachtssterne (mit jeweils 2,50 m Durchmesser) für das Bundeskanzleramt und den Berliner Dom sowie ein „Exemplar“ mit 1,90 m Durchmesser in der Dresdner Frauenkirche. Übrigens, jeder Herrnhuter Adventsstern hat heute noch 25 Zacken – 17 viereckige und acht dreieckige. Immer bleibt der Umfang des Grundkörpers gleich – nur die vom Durchmesser abhängige Zackenlänge braucht andere Abmessungen. Original Herrnhuter Adventssterne (indessen patentrechtlich geschützt) gibt es bevorzugt in den (Weihnachts-) Farben Weiß, Rot und Gelb, darüber hinaus auch in Blau, Grün oder Opal. Diejenigen aus Papier sind für Innenbereiche geeignet, die aus Kunststoff für Außenbereiche bestimmt. Alternativ gibt es als Weihnachtsbaumschmuck geeignete Lichterketten mit zehn kleinen Adventssternen.

www.buchbinderei-kraft.de, www.hartensteiner-adventssterne.de, www.herrnhuter-sterne.de