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02.02.2018

Buchbindung pro Manufactum

Bei der Ausstellung zum Manufactum-Staatspreis von Nordrhein-Westfalen 2017 in Dortmund fielen einige Buchbinder mit originellen Arbeiten auf.

Seine Gestaltungsidee zum Bucheinband von Nikolai Gogols „Die Nacht vor Weihnachten“, einem 70 Seiten-Werk im Format 14,5 cm x 22,2 cm, das 1963 von der Buchdruckereien Stäfa AG publiziert wurde, schildert Marcus Janssens aus Krefeld: „Diese 1832 entstandene Erzählung von einer finsteren Nacht im Bauerndorf Dikanka, in der der Teufel die armen Seelen heimsucht, inspirierte mich zu der Gestaltung. Der konstruktivistische schwarze Quartereinband, durchbrochen durch die rote Papiermarketerie mit gefärbtem Japanpapier, spiegelt diese Nacht und die Geschehnisse farblich wieder“, erläutert der Buchbindermeister und Restaurator. Marcus Janssens konstruierte den Bucheinband mit farblich abgestimmter Rückenprägung als Quartereinband, wobei sich der Buchrücken beim Öffnen vollends vom Buchblock abhebt. Aufbewahrt wird das Werk in einer korrespondierenden schwarzen Faltschachtel, die ein roter Rückentitel ziert.

Simone Püttmann aus Dülmen (Kreis Coesfeld) und Stuttgart-Bad Canstatt, entwickelte für den Dedikationsband Martino Gratias im Format 15,3 cm x 53,5 cm zur Verabschiedung des Domkapellmeisters Martin Dücker ein passendes Gewand. Hierfür schuf die Restauratorin und Buchbindermeisterin einen modernen Handeinband in karolingischer Einbandart, dessen Überzugspapier einen Nachdruck der Osternachtsliturgie in mittelalterlicher Quadratnotation darstellt. Inhaltspapier sind 20 Blatt Büttenpapier mit Wasserzeichen (fünf mit rotem Papier umlegte Lagen à 4 Blatt), mit rotem Heftzwirn geheftet auf 11 „Bünde“ in Kettenstichheftung (klebstofffrei). Zudem erscheinen der Titel auf Seite 1 in goldgeprägter Unziale sowie die Kapitelüberschriften in handschriftlicher Unziale. Besonderheit des Bucheinbands: Innerhalb des Vorderdeckels ist ein 44 cm langer, handvergoldeter Dirigentenstab in Filz vertieft und eingelegt.

„Aussatz: Ein offener Brief an Ehrwürden Dr. Hyde zu Honolulu“ von Robert Louis Stevenson, dessen 32 Seiten-Inhalt 2013 im Format 17,5 cm x 24,7 cm von der Friedenauer Presse Berlin gedruckt wurde, erscheint im einlagigen Bradelband (siehe unser Foto) der Buchbinderin Theresa Wedemeyer aus Emstek bei Cloppenburg. Stevenson beschäftigt sich mit Pater Damian, Schutzpatron der Leprakranken, der auf der Insel Moloka‘i im Hawaii-Archipel als Betreuer der dortigen Leprakolonie arbeitete. „Der Einband ist an die Skyline dieser Insel angelehnt und greift die Struktur der vier Bereiche Himmel, Wald, Strand und Wasser in stilisierter Form auf“, macht Theresa Wedemeyer klar. Als Materialien des Bradelbands mit Lederkapital und schwarzer Folienprägung des Titels fallen schwarzes Oasenziegenleder, handgemachtes Kleisterpapier und Wachteleierschalen auf. Als Schutzverpackung dient eine Buchkapsel, die mittels ihrer farblichen Gestaltung eine Verbindung zum Einband herstellt.

Einen ausführlichen Beitrag lesen Sie in bindereport 3-2018.