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19.11.2019

Digitaler Wandel braucht Visionen

Unter diesem Motto initiierte der Bundesverband Druck und Medien mit rund 130 Teilnehmern aus der Printmedia-Branche den „Treffpunkt Innovation“ in Berlin.

Visionen sind Grundlage für Ziele, Strategien und Maßnahmen. Solchen Maßnahmen verhalf die zweitägige Veranstaltung mit 25 Referenten, Vertretern von Print-Dienstleistern, aus Werbeagenturen und Zulieferern auf die Sprünge. Demnach waren Geschäftsmodelle bei der Digitalisierung, Methoden zur Innovationseinführung, Praxisbeispiele für Logistikkonzepte, aber auch Nachhaltigkeit als Wettbewerbsfaktor im Gespräch.

Viele Methoden zum Begriff „Agiles Management“, z.B. „Design Thinking“ oder „Scrum“, lassen sich nicht zwangsweise „überstülpen“; dabei ist sich Michael Pietrek von Gould Finch (Hamburg) sicher: „Gerade wenn es um die Digitalisierung geht, ist der Erfolg von der im Unternehmen gelebten Wertekultur abhängig, und es gilt, Verweigerer und Zustimmer auf die Reise zu nehmen.“ Künstliche Intelligenz (KI) unterstützt Produktions- und Logistik-Workflows, wird sie mit Internet- und E-Commerce-Funktionen eingesetzt. Gemäß Christoph Mayer, Schickler Unternehmensberatung (Hamburg), können somit Produktionsmengen zur Kapazitätsplanung prognostiziert werden, Sensordaten eventuelle Maschinenprobleme vorhersagen, optimale Verpackungsgrößen für das jeweilige Druckerzeugnis gewählt werden. Tobias Köngeter von WirbelWild (Stuttgart) meint: „Eine KI-Software kann am Sammelhefter sogar ‚hören‘, ob die Drahtklammer in der Broschur richtig sitzt.“

Digitale Workflows gefährden die Effizienz, sodass meist Kompromisse erforderlich werden. Entsprechend bietet Saxoprint (Dresden) die automatische Bestellung von Aufträgen in bis zu 25 Papiersorten. „Trotzdem verhindern viele ‚just in time‘-Jobs mit vielen Wechseln eine Standardisierung und Vernetzung“, erläutert Daniel Ackermann von Saxoprint. Bislang verschickt der Online-Drucker seine Produkte unter 100 kg in Paketen und über 100 kg auf Palette. Mehrere Paketlieferungen stellen aber das Prinzip Nachhaltigkeit auf den Prüfstand. Robert Dembinski von Lensing Druck (Dortmund) erklärt, mehreren Kunden wäre bewusst, dass man keine umfassende Lagerhaltung betreibe und daher teilweise höhere Preise abgeben müsse, und dass man, damit der hochautomatisierte Workflow nicht aufgehalten wird, auch mal einen Auftrag ablehne. Dennoch wäre seitens Lensing Druck im Jahr 2020 als nächste Investition die Digitalisierung des Warenlagers geplant.

Klares Fazit: Innovation ist auf originelle Ideen und schlüssige Prozesse angewiesen. Eine lebhafte Diskussion ergab sich bei der Frage, welches Geschäftsmodell wohl das rentablere wäre: Müssten ausnahmslos sämtliche Kundenwünsche ausgeführt und erfüllt werden? Oder: Müssten manche Anfragen oder Aufträge von Kunden entschieden abgelehnt werden? Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass es in Gesprächen zu häufig um Preise ginge und zu selten um die Ziele, die ihre Kunden mithilfe der Druck-Dienstleister erreichen wollen.

Frank Baier

www.bvdm-online.de

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