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24.11.2017

Drucken ist Mehrwert und Vielfalt

„inno-Print“ als Nachfolge-Veranstaltung des „Gutenberg-Symposiums“ Leipzig am Campus der HTWK Leipzig hatte ebenfalls den Wandel in der Druckbranche als Motto.

Unterhaltsam und hochspannend referierte Prof. Edgar Dörsam, Technische Universität Darmstadt, über „Die Welt des Druckens – unbegrenzte Möglichkeiten“. Stand noch vor Jahren der Informationstransfer im Fokus, wird Drucken heute als Herstellungsprozess betrachtet, der mehr als Substrat-Strukturierung umfasst. Der umfassende Prozessgedanke schließt Handling, Logistik, Weiterverarbeitung und vieles mehr ein. Druckverfahren und Druckmaschine stehen nicht mehr im Mittelpunkt, ebenso sind die Bedruckstoffe nicht mehr Dreh- und Angelpunkt der Betrachtung.

Koenig & Bauer-Manager Rolf Possekel führte das Publikum durch den „Alltag“: morgens After Shave aus der Glasflasche, Banknote beim Einkauf und Chipsbeutel am Abend – ob Blech- oder Hohlkörperdruck, Sicherheits-, Akzidenz- oder Verpackungsdruck, Koenig & Bauer hält für alle Anwendungen die richtige Maschinentechnik bereit. Mittlerweile steht auch hier die umfassende Integration der Technik in einen digital vernetzten Gesamtprozess im Mittelpunkt. Der Maschinenhersteller vernetzt das Bedienpersonal bei Wartung und Fehlerdiagnose.

Ferner wurde das Thema „Industrie 4.0“ intensiv diskutiert – neben den Referenten auch mit Prof. Ulrike Herzau-Gerhardt, HTWK Leipzig, Christian Heinrich, Salzland Druck, und Holger Fröbel, Fröbel Medientechnik. „Industrie 4.0“ bedeutet Automatisierung, Abbildung aller relevanten Prozesse in der digitalen Welt, Optimierung der Fertigungskette. Die mit digitaler Vernetzung verknüpfte Transparenz traf im Publikum nicht auf elementares Einverständnis und warf die Frage auf, ob sich der Maschinenhersteller wirklich in die Maschine beim Kunden einklicken muss, um Wartungshinweise zu geben.

Die Organisation von Prozessen bedeutet zunächst Kenntnis aller Prozesse. Wie werden Prozesse definiert? In welcher Reihenfolge laufen Prozessschritte ab? Wofür gibt es bereits Standards? Zu klären sei zudem die Frage, wem die Daten gehören in einer stark vernetzten digitalen Welt, denn davon hängt ab, wer verantwortlich ist.

Am Ende der Veranstaltung wurde die Frage nach der Vision „Druckerei 2030“ aufgeworfen. So arbeiten in Druckereien oft nicht mehr als 20 Mitarbeiter, sie machen gegenwärtig 80 Prozent der Unternehmen aus. Einige (hochmodernisiert, automatisiert, hochindustriell organisiert, mit individuellen Strukturen) werden Monopolstellung erlangen. Zukünftig gilt es, die neuen Anwendungen im Fokus zu behalten. Drucken ist Mehrwert und Vielfalt – jedoch nur ein Glied in einer komplexen Prozesskette. Dafür sei kein klassischer Drucker mehr notwendig, sondern ingenieurtechnisches Know-how in Sensortechnik oder IT.

Zum neuen Format der Veranstaltung gehört die Einbeziehung von Studierenden und jungen Absolventen als Referenten. Kilian Menzel schrieb seine Bachelorarbeit über Probleme im Tiefdruck; er untersuchte Fluidübertragung und Polymerverhalten beim Lasergravieren von Tiefdruckformen. Paul Thorsch erläuterte Personalisierungstechnologien von polycarbonat-basierten Ausweiskarten; Fokus seiner Masterarbeit war die farbige Laserkennzeichnung. Maximilian Kniese analysierte in seiner Bachelorarbeit die Erstellung maßstabsgetreuer Daten für die 3D-Reproduktion von Gebäudearchitekturen zwecks Ausgabe als Druck oder Plot.