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01.12.2016

Durchblick im Buchmarkt

Viele Bücher fallen in ihrer gestalterisch-technischen Ausführung auf. Buchbinder legen sich dafür mit fachlicher Kompetenz richtig ins Zeug.

Manche Wettbewerbe wie „Die schönsten deutschen Bücher“ der Stiftung Buchkunst bringen heute relativ experimentelle Ergebnisse hervor: Zwillings- oder Doppelbücher in aufwendigen Konstruktionen, Konturenstanzungen auf der Frontseite der Buchdecke, offengelegte Fadenheftungen mit farbigem Buchzwirn. Derlei Design, wenngleich mit Inspiration für das Kunsthandwerk verbunden, scheint durchaus futuristisch, findet sich jedoch im Buchhandel seltener. Dennoch erfüllen die Druck-Weiterverarbeitungsbetriebe zusehends anspruchsvolle Wünsche ihrer (Verlags- und Industrie-) Kunden. Sofern der Leser klassischer Bücher den Durchblick behalten möchte, dürfte ihm schon der Besuch der Buchhandlung seines Vertrauens reichen.

Nahezu überall glänzende, leuchtende und schillernde Hardcover und Softcover in den Regalen: Gerade die Kompetenz der Buchbinder ist dort deutlich zu erkennen, weil nicht nur diverse offset- und digital gedruckte Papiere und Kartons (teils in einem einzigen Werk), sondern vor allem kombiniert aufgewertete Materialien verarbeitet werden. Eindeutige Trends lassen sich nur schwer ausmachen: Während es eine Tendenz zu mehr nachhaltig produzierten Editionen in schlichter Gestaltung und Ausführung mit naturbelassenen und Recycling-Materialien gibt, dürften gleichermaßen Publikationen mit variantenreichen, mitunter aggressiv wirkenden, optischen und haptischen Effekten auf dem Titel des geistigen Werks auffallen.

Erfolgreicher als Standard-Ausführungen von Büchern und Broschuren sind vor allem diejenigen Produkte, bei denen Inhalte und Gestaltung, Veredelung und Ausstattung sowie Format zu einer Einheit verschmelzen. Sicherlich ein Tatbestand. Jedoch was passiert am „Point of Sale“? Letztlich werden Editionen vorrangig über das originelle Design des Titels verkauft. Insbesondere im Hinblick auf die Druck-Weiterverarbeitung offenbart sich manch interessante Entwicklung.

- Speziell im Belletristik-Genre finden sich nicht nur einzelne Titel, sondern ganze Buchreihen, meistens Softcover – Bucheinbände mit mehrfarbig direkt bedrucktem Ganzleinen. Dadurch kann ein Schutzumschlag entfallen.
- Häufiger verfügen Softcover und Hardcover über einen Farbschnitt. Bislang eher von Bibeln bekannt, sind Werke der Belletristik, Kunst- oder Fachliteratur mit passendem Farbschnitt, teilweise mit gemusterten Motiven, verziert.
- Hardcover oder Softcover? Hardcover sind teurer und wirken hochwertiger, Softcover sind billiger und wirken funktionaler. Stattdessen wird mitunter die Klappen-Broschur mit festerem, „flexiblem“ Bucheinband gewählt.
- Eingeführt von der Fotobuch-Branche, ist die Layflat-Buchbindung eine Variante. Beim geöffneten, plan liegenden Buchblock ist optimales Aufschlagverhalten garantiert, Panorama-Fotos auf Doppelseiten sind besser erkennbar.
- Zusehends enthalten Hardcover-Bücher mindestens ein eigenes, im Buchblock integriertes Buchzeichen. Idealerweise erscheinen Lesebändchen nebst Kapitalband und Vorsatzpapier in derselben farblichen Gestaltung.
- Alleine die Ausführung eines Hardcovers verrät den „Charakter“ des Genres oder auch Titels. Kastenähnliche Buchrücken sind eher für Fachliteratur, abgerundete Ecken der Buchdecke eher für Kinderliteratur typisch.

Aktuelle Beispiele aus der Druck-Weiterverarbeitung lesen Sie im Schwerpunkt-Thema Buchproduktion in der am 16. Dezember 2016 erscheinenden bindereport-Ausgabe 12-2016.