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22.11.2016

Jubiläum in Gutenberg-Stadt Mainz

Besonderer Anlass für die Buchbinderei Gärtner-Fiederling in Mainz: 2016 feiert die traditionelle Werkstatt ihr 125-jähriges Jubiläum.

Gegründet wurde die Buchbinderei durch Leonhard Maria Färber (1864–1919) im Jahr 1891, die damit in der Gutenberg-Stadt Mainz die älteste Werkstatt dieses Gewerbes darstellt. Anfänglich wurden bis zu 12 Mitarbeiter beschäftigt. Adolf Gärtner (1886–1970) hatte eine eigene Buchbinderei mit Schreibwaren-Fachhandlung geführt und übernahm 15 Jahre nach seiner Meisterprüfung, im Jahr 1924, Leonhard M. Färbers Werkstatt. Im Jahr 1952 erfolgte die Umsiedlung an den dritten, heute noch aktuellen Standort in der Goldenbrunnengasse 6. Buchbinderin Therese Fiederling geb. Gärtner (1919–2014), die an der Akademie für Graphische Künste Leipzig (unter Dozent Ignaz Wiemeler) studiert hatte, heiratete Franz Fiederling, Dozent für Graphik und Gestaltung an der Kunsthochschule Mainz, und absolvierte 1948 ihre Meisterprüfung. Unmittelbar nach dem Tod ihres Vaters Adolf Gärtner übernahm Therese Fiederling die Werkstatt.

Johannes Schneider (Jahrgang 1957), gebürtiger Schweizer, ging von 1981–1984 in die Lehre bei Therese Fiederling, die bis zum Jahr 1996 als Obermeisterin der Buchbinder-Innung Rheinhessen fungierte. Nachdem der Buchbindergeselle vor 25 Jahren seine Meisterprüfung erfolgreich bestand, entschied er sich für die Selbstständigkeit mit der Bibliotheksbetreuung (BTB) und übernahm im April 2014 die traditionelle Buchbinderei Gärtner-Fiederling. Derzeit erlernt ein junger Mann aus Singapur im ersten Ausbildungsjahr, aufgrund seines kreativen Multitalents und seiner asiatischen Konzentration und Ruhe von seinem Lehrmeister sehr geschätzt, in der Werkstatt den Beruf des handwerklichen Buchbinders.

Anlässlich des 125-jährigen Jubiläums im September 2016 wurde die Geschichte der Werkstatt der Öffentlichkeit vorgestellt. Innerhalb eines interdisziplinären Seminars der Hochschule Mainz wurden von Studierenden des Studiengangs Kommunikationsdesign unter Federführung von Prof. Charlotte Schröner insgesamt sechs Publikationen und ein Ausstellungskonzept realisiert. Diese sechs „Almanache“ spiegeln, inhaltlich und grafisch liebevoll-detailliert aufbereitet – mit Titeln wie „Von der Ahle bis zum Zwirn“ oder „Von springenden Rücken, flachen Fröschen und der ‚gold’nen‘ Luft“ –, die „Aura“ der Buchbinderei. Das Spektrum reicht von Optik und Haptik des verarbeiteten Materials über die Kundschaft bis hin zur Geschichte der Buchbinderei im Wandel der Zeiten. Im Rahmen der Jubiläumsausstellung in der Handwerkskammer Rheinhessen wurden die „Almanache“ dann der Öffentlichkeit präsentiert.

Einen ausführlichen Artikel können Sie in der am 16. Dezember 2016 erscheinenden bindereport-Ausgabe 12-2016 lesen.