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29.10.2020

Macht der Marke

Der Stuttgarter Chemiker Franz Josef Landen schlägt die Einführung und Etablierung eines „Qualitätssiegels für Klebebindungen“ vor.

Bereits seit Jahrzehnten ist das Klebebinden – formschlüssiges Fügen von Werkstoffen – ein verbreitetes Verfahren bei der Herstellung von Broschuren und Büchern. Heute gibt es nicht nur verschiedene Geräte, Maschinen und Systeme, sondern auch mehrere Klebstoffarten auf dem Markt. Die große Auswahl an technischem Equipment und Klebstoffen trägt längst nicht zu einer stabilen Qualität des Printproduktes bei. Indessen zeigt jedes per Klebebindung verarbeitete Druckerzeugnis – sei es eine Broschur, ein Buch, Katalog oder Magazin – eine sehr unterschiedliche Qualität.

Franz Josef Landen, Chemiker aus Stuttgart, ist ein Experte mit großer Erfahrung in diesem Bereich. Seine berufliche Laufbahn ist mit einer auf Sondermaschinenbau, Klebstoffe und Klebstoffauftragstechnik spezialisierten Firma verbunden, die er über 50 Jahre aufbaute und erfolgreich leitete. Vor einigen Jahren entwickelte er den Dispersionsleim weiter, wobei er zusammen mit dem BASF-Konzern das Hydrophobin als Aktivator für die Hydrophilierung der Zellulose patentieren ließ. Seine mehrfach patentierten Forschungsergebnisse sind weltweit geschätzt: erstmalige Verwendung von Aminosäure für die Buchbinderei (2007), Erfindung der Faserfreilegung (2009), Erfindung der Layflat-Technologie auf Basis von Aminosäure (2011).

Heute ist Franz Josef Landen als Sachverständiger für Klebebindungen tätig. „Längst wissen wir um die Macht der Marke“, berichtet der Stuttgarter Chemiker. „Nahezu jeder Artikel und jedes Produkt trägt nicht nur ein Etikett, sondern verkauft sich eben über eine Marke oder ein Zertifikat.“ Derartige Marken oder Zertifikate sind in unserer Industriegesellschaft nicht nur als Element der Kundenbindung, sondern auch als Unterscheidung von Wettbewerbern, als Alleinstellungsmerkmal und letztendlich als Nachweis eines bestimmten Qualitätslevels zu verstehen. Zwar gibt es diverse Zertifikate für hohe Druckqualität – ein Qualitätssiegel für Klebebindungen bisher noch nicht.

Franz Josef Landen meint: „Zukünftig könnte man unter fachlicher Beurteilung technischer Aspekte die Grundlage für ein Qualitätssiegel schaffen, wodurch Buchbindereien mit Druckerzeugnissen in Klebebindung eine klare Unterscheidung von Wettbewerbern erreichen.“ Mithilfe eines solchen Zertifikats hätten sie auch hinsichtlich ihrer Marktposition und Auftragsakquise etwa bei Kunden wie Agenturen bessere Chancen. Jetzt möchte der Experte unter den Buchbindern und Papierverarbeitern eine Diskussion zu der Fragestellung entfachen, inwiefern nach ihrer Meinung die Einführung und Etablierung eines „Qualitätssiegels für Klebebindungen“ wohl Sinn macht und tatsächlich lohnt.

Frank Baier

franzjosef.landen@gmx.de

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