Aktuelles

29.12.2020

Österreichs „Kulturerbe“

Die österreichische Unesco-Kommission nahm im Herbst 2020 das Buchbinder-Handwerk in ihr Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes auf.

Unter dem Begriff „immaterielles Kulturerbe“ werden weltweit seit dem Jahr 2003 gelebte Traditionen von der Unesco dokumentiert und geschützt. Nunmehr seit dem Jahr 2010 führt die österreichische Unesco-Kommission ihr eigenes Verzeichnis. Zum 7. Oktober 2020 wurde es um neun weitere Elemente kultureller Ausdrucksformen und lebendiger Traditionen erweitert. Aktuell sind 11 aus dem Bereich „mündliche überlieferte Ausdrucksformen“ – einschließlich der Sprache als Trägerin des immateriellen Kulturerbes –, 24 aus dem Bereich „Darstellende Künste“, 54 aus dem Bereich „Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste“, 15 aus dem Bereich „Wissen und Praktiken im Umgang mit der Natur und dem Universum“ sowie 29 aus dem Bereich „Traditionelle Handwerkstechniken“ gelistet.

Jene Neuaufnahme des Buchbinder-Handwerks in das Verzeichnis wird folgendermaßen belegt: „Das Wissen um die Buchbindekunst wurde in mittelalterlichen Klöstern von Mönchen entwickelt und weitergegeben. Die handgeschriebenen Bücher und deren Buchdeckel wurden oft aufwendig mit Kleinodien und Goldschmiede-Arbeiten veredelt. Mit der Erfindung der Buchdruckkunst im 15. Jahrhundert etablierte sich das Buchbinder-Handwerk als selbstständiges Gewerbe, wobei dieses Handwerk bis heute mit traditionellen Mitteln ausgeübt wird.“

Kürzlich befragte das Fachmagazin „bindereport“ Handwerks-Buchbinder in Österreich, welche Bedeutung für sie die Entscheidung der nationalen Unesco-Kommission innehat. Innerhalb der Begründung für die Neuaufnahme wurden die schützenswerten und zentralen Aspekte des Handwerks definiert, argumentiert Bernhard Sanders von der gleichnamigen Buchbinderei in Innsbruck. „Damit soll gewährleistet sein, dass nicht automatisch jede Betreiberin unseres Gewerbes Vertreterin des immateriellen Unesco-Kulturerbes ist, sondern definierte traditionelle Handwerkstechniken das immaterielle Kulturerbe darstellen. Ich persönlich gebe mein Wissen an Mitarbeiter weiter und schaffe ein Bewusstsein für unseren Beruf wie an der GBS Schule für Gestaltung in St. Gallen (CH) und gebe Workshops in meiner Werkstatt.“

Heidrun Edelsbacher und Christian Fuchs (siehe Foto), Buchbinderei Christian Fuchs in Saalfelden, glauben, dass das Sprichwort „Handwerk hat goldenen Boden“ auch heute immer noch zutrifft. „Das Gesamtkunstwerk Buch beinhaltet eine Reihe von hochqualifizierten Fachberufen, ohne die keine moderne Kommunikationsform möglich wäre. Fast unglaublich, dass Gutenbergs Erfindung der bewegten Lettern über 500 Jahre überdauerte. Was bleibt, ist das Buch, das die wunderbare Möglichkeit bietet, in allen Lebenslagen Information analog gebündelt zu vermitteln, ohne dabei aufdringlich zu sein. So sind wir stolz auf die wertschätzende Würdigung unseres traditionellen Handwerks und ermutigt mit der maßvollen Öffnung zur Digitalisierung, fixer Bestandteil der Kunst und Kultur dienenden Gewerbe zu bleiben.“

www.unesco.at

Einen ausführlichen Beitrag lesen Sie in bindereport 1-2021.

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