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03.06.2019

Prägende (Zukunfts-) Bedenken

Der Berufsnachwuchs im Handwerk bleibt weiter aus, und die Bundesinnung zählt immer weniger Mitglieder: Den Bund Deutscher Buchbinder treiben große Sorgen um

Auffallend weniger junge Leute erlernen den Beruf des Buchbinders im Handwerk: Binnen vier Jahren ging die Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge – 61 (2015), 43 (2016), 40 (2017), 33 (2018) – um fast 50 Prozent zurück. Wiederum wird ein Viertel der Ausbildungsverträge vorzeitig abgebrochen, sodass noch weniger Handwerks-Buchbinder den Berufsweg beschreiten. Demzufolge könnte der Ausbildungsberuf in den nächsten Jahren verschwinden – sofern Unternehmer sich nicht stärker als bisher für die Ausbildung engagieren. „Wollen wir unser eigenes Grab graben?“, fragte Vorstandsmitglied Hans Dieter Jung zur Jahrestagung des BDBI in Nürnberg provokant.

Demnächst muss der Fachverband gegenüber der Kultusministerkonferenz Stellung zum Bedarf der Ausbildung beziehen. Denn infolge forthin ausbleibenden Berufsnachwuchses, erklärte der stellvertretende Vorstandsvorsitzender Hartmut Köhler, steht die Ausbildung an den 18 Berufsschul-Standorten auf dem Spiel. Entsprechend wird seitens des Fachverbandes anhand eines Fragebogens zum Status-quo bei den Berufsschulen recherchiert.

Darüber hinaus engagiert sich der Fachverband für die Wiedereinführung des im Jahr 2004 weggefallenen „Meisterzwangs“ als Voraussetzung für die selbstständige Leitung eines Betriebs. Vorstandsmitglied Werner Obermeier erzählte, dass die entstehende neue Fortbildungsordnung „Geprüfter Restaurator im Handwerk“ auf einem guten Weg wäre; die Umsetzung sollte durch Kooperation des Fachverbandes BDBI mit dem Buchbinder-Colleg Stuttgart und eventuell durch einen Projektbeirat begleitet werden.

Sowohl die Ausbildungsvergütungen als auch die Einkommen der Angestellten sollen einen Beitrag zur höheren Attraktivität des Berufs leisten. Ebenso muss die regelmäßige und im Jahr 2020 wieder bevorstehende nächste Erhöhung des Mindestlohns berücksichtigt werden. Deshalb werden den Unternehmen aktuelle Ausbildungsvergütungs- sowie Lohn- und Gehaltsempfehlungen gegeben. Demnach erhalten die Auszubildenden ab 1. August 2018 gegenwärtig500/550/600 Euro und sollen gemäß den Vorgaben der Mindest-Ausbildungsvergütungen ab dem 1. Januar nächsten Jahres 515,00/607,70/695,25 Euro erhalten. Während der Jahrestagung diskutierte Lohn- und Gehaltsempfehlungen werden den Mitgliedsbetrieben übersandt.

Nahezu 50 Teilnehmer wurden bei der 130. BDBI-Jahrestagung gezählt, die zu einem Großteil in Fürth bei Nürnberg organisiert wurde. Prägende Erlebnisse bildeten den Besuch der Leonhard Kurz Stiftung, einem Unternehmen der Dünnschicht-Technologie, das nach eigenen Angaben mit über 5000 Mitarbeitern weltweit 850 Millionen Euro Umsatz erbringt. Das Unternehmen stellt auf Trägerfolien applizierte, selbst entwickelte Dekorations- und Funktionsschichten für verschiedene Produkte her. Während mehrerer Vorführungen im Leonhard Kurz-Democenter erhielten die Teilnehmer der Jahrestagung nicht nur Einblicke in verschiedene Lösungen zur Veredelung von (Print-) Produkten. Gleichfalls bekamen sie interessante Hintergründe und Zusammenhänge zum Prozess des Prägens vermittelt.

www.bdbi.de

Einen ausführlichen Beitrag lesen Sie in bindereport 6-2019.

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