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27.10.2017

Preiswerte Universal-Editionen

Eine Wechselausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig widmet sich Reclams „Jahrhundert-Idee“.

Zum 150. Geburtstag des ersten Heftes von „Reclams Universal-Bibliothek“ steht eine Idee des Verlegers Anton Philipp Reclam (1807–1896) im Fokus: Die älteste noch existierende deutschsprachige Taschenbuchreihe – bis in unsere Tage die Marke des Verlags – versprach „ein Erscheinen sämtlicher classischer Werke unserer Literatur“ zum günstigen Preis. Auch heute noch gilt die in Leipzig gegründete Universal-Bibliothek als Herzstück des Reclam-Verlages. Der niedrige Preis bei hoher Auflage erlaubte eine maximale Verbreitung von Texten und steht für den modernen Gedanken einer Literaturversorgung für alle.

Politisch vom Vormärz (Epoche zwischen 1815 und 1848, d.Red.) geprägt, verband Reclam die goethezeitliche Bildungstradition mit Geschäftssinn. Mit dem Ziel, einmal gedruckte Texte dauerhaft zu niedrigen Preisen lieferbar zu halten, nutzte Anton Philipp Reclam die Neuregelung des Urheberrechts zum Stichtag 1837: Die Bundesversammlung des Deutschen Bundes hatte das Recht der Autorinnen und Autoren auf 30 Jahre nach dem Tod beschränkt. Deren Texte konnten ab 9. November 1867 als gemeinfrei nachgedruckt werden, das Gesetz befreite den Verleger von der Vergütung der Autorinnen und Autoren. Bereits am Tag nach Inkrafttreten des Gesetzes wurde der erste Band von „Reclams Universal Bibliothek“ verkauft.

Gerade in Zeiten, in denen das Urheber- und Verwertungsrecht zu einem wichtigen Thema des kulturellen Diskurses geworden ist, lohnt ein Blick auf die Geschichte des Urheberrechts. Anhand ausgewählter Exponate, vorwiegend aus der Sammlung von PD Dr. Hans-Jochen Marquardt, Halle (Saale), konzentriert sich die Schau auf wenige Schlaglichter mit dem Schwerpunkt der Leipziger Produktion. Ausgehend vom „Klassiker-Jahr“ 1867 wird der Blick auf die Buchgestaltung, die technische Herstellung und innovative Werbemethoden der Reihe gerichtet. Die Schau fragt auch nach „Reclams Universal-Bibliothek“ im Krieg und nimmt Feldbücherei und Tarnschriften in den Blick. Ferner stellt die Kabinettausstellung Reclams berühmten Bücherautomaten vor, vermittelt einen Eindruck vom thematischen Profil der Universal-Bibliothek in der DDR und zeigt, wie der Verlag seine zahlreichen Jubiläen zu zelebrieren wusste.

Die Kabinettausstellung: „Universal. Reclams Jahrhundertidee – Leipzig 1867 bis 1990“ ist vom 27. Oktober 2017 bis 3. Juni 2018 jeweils dienstags bis sonntags und feiertags (außer montags) von 10–18 Uhr sowie donnerstags von 10–20 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

www.dnb.de